Vermutlich Jürgen

Einer der Knilche von der Grillparty sitzt in der Dönerbude, in der ich mir aus Frust ein totes Tier kaufen will. Er erkennt mich wieder, weiß aber nicht wieso. Ich sage es ihm nicht und er erklärt mir, ich heisse vermutlich Jürgen und er könne heute nicht schlafen, wenn ich ihm nicht sage woher er mich kennt. Gerade will ich mich freuen, da fällt´s ihm doch noch ein. Jetzt erzählt er seinem Kumpel, wie er mich um vier Grillwürstchen bestohlen habe.

Ich frage mich jetzt, ob die heutige Jugend verweichlicht ist, oder ob ich mit 15 auch Schlaflosigkeit erlitt, wenn ich ein Gesicht nicht einordnen konnte, oder meine Freunde durch Angeben mit vermeintlichen Würstchenklau zu beeindrucken suchte.
Ich glaube mich zu erinnern, das ich mit 15 nachts von Mädchen träumte (die ich nicht kriegen konnte) und ansonsten mit meinen Kumpels wegen frisierter Mofas Ärger mit der Polizei hatte.

Fuckparade 2001

Freitag Abend noch mal im Tresor gespielt, nur 45 Minuten,
weil möglichst viele DJs untergebracht werden sollten. Will danach nach Hause, bin gefrustet. Karlsruhe hat unserem Eilantrag nicht stattgegeben. Damit keine Fuckparade. Wir haben eine Ersatzdemo angemeldet, die sich gegen das Verbot einer Demo aufgrund der Mittelwahl wendet.
FRITZ hat netterweise gesagt, die Fuckparade würde dann eben im Radio stattfinden, was aber letzlich nur dazu führte, daß uns die Verwaltungsbehörde sogar untersagt hat, Radios mitzuführen! Ich kann es kaum glauben und zweifele doch daran, in was für einem Staat ich lebe, es ist also tatsächlich möglich, das Mitführen von Radios zu verbieten.

In Deutschland. Nicht in Chile oder im Kongo, sondern in Deutschland.
Das finde ich gar nicht lustig.

Wir werden also eine stinknormale Demo machen. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, wie viele Leute kommen werden.

Vorher will MTV uns noch interviewen, was aber wieder nix wird, weil Martin sich eine Wolf quasselt und ich eigentlich nicht zu Wort komme. Er drechselt Sätze, die MTV sicher nicht verwenden kann, weil nicht einfach genug fürs TV Publikum, werden Sie also eh rausschneiden. Egal. Das Interview hat für mich also nur die Folge, dass ich eben noch später ins Bett komme, so gegen 4 Uhr. Um 7 Uhr irgendwas klingelt das Telefon... wir wollen gegen das Verbot von Radios doch noch mal Einspruch einlegen, brauchen aber einen Rechner und ein Faxgerät, sieht so aus, als ob ich der Einzige bin, der so was besitzt.

Bin aber bei meiner Freundin die nicht mal eine Telefon hat.

Also raus aus dem Bett, Anwältin am anderen Ende der Stadt treffen, Schreiben formulieren und faxen. Inka, unsere Anwältin, sieht aus wie ausgekotzt, völlig übernächtigt und hat schlechte Laune, ich trau mich gar nicht in den Spiegel zu sehen, sehe vermutlich noch schlechter aus.

Sie sagt während des Tippens, das sie mal wieder gerne duschen und schlafen würde.

Wir verlangen doch viel von ihr geht's mir da so durch den Kopf... und es wird noch mehr werden.

Nachmittags fahre ich zum Bunker. Paar Leute hängen schon ab, auch der stets unverzagte Freddy, der mehr Tiefgang hat, als man ihm mit seiner manchmal etwas schluffigen Art auf den ersten
Blick so zutraut. Er verteilt unsere Zettel, der Trachtenclub ist auch da und verteilt eigene Zettel, die auch brav auf die Ersatzdemo und den neuen Treffpunkt verweisen. Viele kommen aber nicht, unser Buschfunk funktioniert doch ganz gut. Bunker Tom, Cut-X und die ganze Truppe schlagen auf und sammeln ein was noch kommt, ich fahre zum Frankfurter Tor.

Dort sind auf den ersten Blick gar nicht so viele Leute, besonders als es anfängt zu pissen wie aus Eimern. Der Trachtenclub sammelt tatsächlich Radios gegen Quittung ein, was selbst die BZ später als lächerliche Aktion verurteilt.


Als es dann losgeht ist es im Grunde wie immer auf der Fuckparade:
Es sieht ganz wenig aus am Treffpunkt, aber nach 500 Metern sind es auf einmal Tausende. Wo die immer alle herkommen frage ich mich.



GENUA

Ich glaube, unsere Probleme mit der Fuckparade sind ja doch noch Kinderkram im Vergleich zu dem, was da in Italien abgegangen ist. Ich glaube, der Autonome auf der Parade (der mich noch angemacht hatten weil ich zu staatsglaeubig sei) hatte recht.