Kleine Dramen im Zug

Mal wieder im Zug unterwegs. Zugegeben, der Grillmaster fährt 1. Klasse (tja, so TOP Erfolgreich...äh... tschuldigung). Wie schon früher berichtet, darf man dort regelmässig den lustigsten Telefonaten beiwohnen. Diesmal erneut eingeleitet von einer Person, die mehrmals versuchte mit jemand zu telefonieren und die beliebte "ja hallo, ich bin im Zug da ist die Verbindung immer so schl...hallo? Hallo?" Nummer gebracht hat. (zu allem Überfluss hat die Person nebenher auch noch mit einem Textmarker auf einem Papier gefuhrwerkt und - den Grillmaster beschlich ein Deja Vu Gefühl - dabei wesentlich mehr markiert als unmarkiert gelassen.

Soweit alles schon mal da gewesen.
Neu aber das folgende kleine Drama.

Ein Herr im Business-Einheitslook und mit den obligatorischen Aktenstapeln um sich, die in der ersten Klasse zum guten Ton der Geschäftsreisenden gehören ("ich fahre in der ersten Klasse, weil ich den Platz zum Arbeiten brauch"), telefoniert viel. Nach einigen Telefonaten wo weltmännisch Besprechungsräume und Meetings organisert werden ("Ich erwarte Sie dann in der DB Lounge. Ja. Hat der Raum auch einen Beamer? Ein Flipchart brauchen wir auch, können Sie das bitte veranlassen") dann dieses Gespräch:

"Ja hier X, können Sie mich mal rasch mit Herr Y verbinden, ja, danke. Ah Herr Y, X hier. Bei einer Durchsicht meiner Konten ist mir aufgefallen, das mein Jun-Oh Gehalt noch nicht eingegangen ist."

(wir haben Ende Juli)

"Könnten Sie mal rasch schauen, was da schief gegangen ist?"

Pause. Dann verwundert:

"Ach. Auf wessen Veranlassung hin denn? Aha. Ja... "

Lauscht.

"Nein, das wird nicht erforderlich sein... nein. Ich bin ja Freitag wieder im Büro, da kümmere ich mich dann selber drum, danke."

Hm. Freitag wieder im Büro?
Wenn er sich da man nicht täuscht.

Wusste ich.

Mal wieder ne Studie gemacht worden. Thema: Leiden "Elektrosensible" direkt unter der Strahlung einer Funkantenne?

Die Studie ging so: 44 Leute die sich selber als
"Elektrosensible" einstufen und angaben, unter elektromagnetischen Feldern zu leiden sowie 114 Personen in einer Kontrollgruppe wurden 3 Jahre lang der "Wirkung" einer Mobilfunkantennenanlage ausgesetzt.

Die Antwort: Ja, Elektrosensible leiden (im Gegensatz zu den Personen der Kontrollgruppe).

Allerdings nicht in Abhängigkeit davon, ob die Antenne überhaupt in Betrieb war. Entscheidend war nur, dass man Ihnen SAGTE die Antenne sei in Betrieb. Ein Korrealtion der Beschwerden mit dem tatsächlichen Betrieb der Antenne konnte nicht festgestellt werden.

Man kann solche Leute also damit krank machen, dass man eine Antennenattrappe aufstellt. Vielleicht reicht schon ein Besenstiel mit Silberfolien umwickelt und ein bißchen Lametta dran. Dann noch ein Schild dran mit der Aufschrift "geheimes Militärprojekt: Dark Matter Gighertz Hochenergie Strahler 234 Z-delta, nicht berühren" und ab geht die Luzi!

Eigentlich ne Gute Idee für eine psychologische Kriegsführung.

Andersrum: Um tatsächliche Sendemasten eine Weihnachtsbaumattrappe bauen oder so was und schon ist das Problem gelöst.


Nächste Woche: Ich und mein Pendel.



P.S.: Bevor jetzt alle Technikfreaks frohlocken: die Studie sagt natürlich nix zu der Wirkung einer Langzeitbelastung aus. Und da wäre nicht mal ich zu optimistisch...

(P.P.S.: diesen Eintrag habe ich 2007 verfasst. Jetzt ist es 2009 und vor kurzem habe ich mitbekommen, das Mobilfunkanlagen heutzutage gerne mit Schornsteinattrappen verdeckt werden.)

Update 2013: Aktuell gab's wieder eine ähnlich Studie der Uni Mainz mit dem selben Ergebnis. Genau genommen hat die (mit nur 147 Personen ebenfalls nicht representative) Studie sogar noch einen Twist: Hier wurde nämlich den Probanden vor dem Vesuch eine Filmchen gezeigt, ein mal eine TV-Reportage über die angeblichen Gefahren von Funkwellen und Elektrosmog und einer anderen Gruppe von Leuten eine Reportage zum Thema Datensicherheit. Anschliessend wurde die Probanden einer angeblichen neuartigen WLAN Funkzelle ausgesetzt und dann befragt.
Wie üblich: Insgesammt über die Hälfte aller Versuchspersonen klagten über Beschwerden.
Der Twist: Diejenigen die den Elektrosmogfilm gesehen hatten, klagten deutlich häufiger über diverse Sympthome wir Kribbeln, Konzentrationsschwäche und Kopfschmerzen als die der Gruppe, die den unverfänglichen Film gesehen hatten.
Und auch hier: obwohl eine grosses Gerät mit blinkendem "WiFi" Zeichen aufgebaut wurde, gab es gar keine Funkwellen, denn das Geräte war eine funktionslose Attrappe. Die Frage die nun rumgeht ist: Macht die Berichterstattung über angebliche Elektrosmoggefahren mehr Leute krank als ... Elektrosmog?


STASI 2.0

STASI 2.0 hat es geschafft! Jetzt ist es sogar CSU Hardliner Günther Beckstein zu viel geworden. Der hat nämlich erstaunlich deutlich gesagt, man dürfe nicht einmal darüber Nachdenken, die präventive Tötung von möglichen Terroristen auf eine rechtliche Grundlage zu stellen (Vulgo: zu erlauben).

Wir erinnern uns: STASI 2.0 (aka Innenminister Schäuble) hatte vor einigen Tagen gefordert,
gezielte Tötung von Terroristen zu ermöglichen.
Gemeint ist nicht etwa, daß Terroristen in einem Polizeieinsatz erschossen werden, um sie etwa am Zünden einer Bombe zu hindern, sondern vielmehr, sie VORHER zu erschiessen, also bevor Sie was getan haben. Also gewissermassen

1. die Einführung der Todesstrafe
2. für Leute die eventuell mal was machen KÖNNTEN.


Überspitzt formuliert sieht das in etwa so aus, das sich ein paar Leute überlegen, der Herr Jussuf Islam sei bestimmt eine Gefahr und habe auch im Internet eine Anleitung zum Bombenbasteln runtergeladen und er heisse ja auch so komisch und dann der lange Bart... und dann betreibt der noch ne Koranschule vielleicht... den erschiessen wir mal lieber.


Mal abgesehen von dem ganzen anderen Kram den Schäuble so vorschlägt (Online Durchsuchung, Internetverbot für "Gefärder", Einführung des Tatbestandes der "Verschwörung", Legtimiation von Folter) ist das doch der Gipfel: Leute erschiessen, weil sie eventuell mal was machen werden?

Wo sind wir hin gekommen?




P.S.: Roland Koch, unser allseits beliebter "brutalstmöglicher Aufklärer", hat im Gegensatz zu Beckstein Zustimmung geäussert. Immer wieder unglaublich der Mann!

Wellness

Heute mal in einem "Wellness-Spa" gewesen. Mein Holde ist da Mitglied, weil sie eifrige Saunagängerin ist und gerne schwimmt. Als Mitglied bekommt man ein Gutscheinheft, da durfte ich dann für "nur" 14 Euro mit rein. Bereits am Eingang erste Verblüffung für den Wellness-ungeübten: Ich habe keine Badelatschen. Die sind aber Pflicht. Glücklicherweise kann man mir aber welche verkaufen, kosten 5 Euro, naja, in meiner Grösse 6 Euro.

Ich selbst bin an Sauna nicht so interessiert, also dann eben schwimmen. Nach 30 Minuten schwimmen im nur 1,30 Meter tiefen Becken wird mir langweilig. Die anwesenden Personen sind die reinste Geisterbahn. Leute die so fett sind, das man nicht erkennen kann, obs Männer oder Frauen sind: Das normalerweise hinweisgebende MakeUp ist abgewaschen, die Frisur hängt nass runter und Titten haben alle. Die primären Geschlechtsorgane sind unter einem Fettlappen verborgen. Da Sauna und Termalbetrieb angebunden sind, ist übewiegend alles total nackt.
Informationen die man nicht haben will. Mir wird klar:
Fett verstümmelt grässlich.

Im Becken ziehen zwei Fettberge gemütlich ihre Bahnen, erst nach drei Runden sehe ich, daß die gar nicht schwimmen, sondern nur gehen und dabei mit den Armen rudern.

Als die Langeweile zu gross wird, beschließe ich, in den Fitnessraum zu gehen, wo lustige Maschinen aufgebaut sind. Vor allem irgendwelche Dinger auf denen man sicher enorm gelenkschonend mit laufähnlichen Bewegungen rumhampelt, daß es lächerlicher nicht aussehen kann. Erinnert mich an diese TV-Werbesendungen für den Swingmaster oder wie die Teile hießen. Naja, die werden ja sicher auch was anderes haben. Normales Laufband. Laufe ich anstatt für 0 Euro durch den Wald eben für 14 Euro in einem grossen Zimmer auf der Stelle.

Kommts aber gar nicht zu, weil eine mir hinterherlaufende Angestellte des Wellness-Tempels erklärt, ich hätte ja nur das blaue Armband, nicht das rote, und daher dürfe ich nicht in den Fitnessraum. Da hätte ich den anderen Gutschein vorlegen müssen, der hätte dann 15 Euro gekostet, da wäre dann Fitness mit dabei gewesen.

Genialer Marketingcoup! Letztlich sind die Gutscheine ja dazu da, Leute "anzufixen". Und da haben die tatsächlich zwei verschiedene mit einem Preisunterschied von nur EINEM Euro, aber wenn man den Falschen nimmt, darf man nicht in den lächerlichen Geräten mitschaukeln.

Klar.

Also gut, da meine Holde noch ca. vier Stunden in dem Laden bleiben will, muss ich die Zeit rumkriegen. Also zurück zur Geisterbahn.
Da auf eine Liege gelegt und ein Buch gelesen, das ich glücklicherweise mitgenommen hatte. Zwischendrin, wenn gerade keine Fettklösse ihre Wassergymnastik gemacht haben, schnell paar Bahnen gezogen. Aber Bahnen kloppen ist eben einfach nur langweilig.

Gut, dann mal so richtig entspannend im Whirlpool! Ich also da hin (immer auf den blöden Gummilatschen rumgegeschlurft) und mich in so ein Dingen gelegt. Sprudelt auch nett und ist auch angenehm Urinwarm... aber auch recht öde nach kurzer Zeit. Irgendwie will sich bei mir keine recht Freude einstellen, wärend ich dem Geblubber zusehe. Draussen scheint die Sonne und ich liege in einem eher dunklen Raum mit wildfremden Leuten in einer Badewanne mit blubberndem Wasser rum.
Ich verstehe immer weniger, was da so erstrebenswert dran sein soll.


Gut, irgendwann ist die Sache durch. Mit Parkgebühren hab ich 24 Euro auf den Kopp gehauen und habe nun doll praktische Badelatschen, die ich vermutlich nie mehr brauchen werde... und unvergessliche Bilder im Kopf.

Super Sache so ein Wellnessnachmittag.

Soulmans Gesetz

Soulmans Gesetz beschreibt vier mögliche Zustände von Systemen. Ursprünglich nur auf komplexe Computerprogramme bezogen ist Soulmans Gesetz auf alle Systeme anwendbar, deren Funktion durch willentliches Eingreifen geändert werden kann und deren Funktionieren eine gewisse Dringlichkeit hat.

Sinn des Gesetzes ist es, die vier Zustände zu Ordnen und zu Werten.

Nach Soulmans Gesetz kann jedes komplexe System, in dem kausale Zusammenhänge nicht sofort ersichtlich sind folgende Zustände annehmen:

1. Das System funktioniert NICHT und es ist bekannt warum es nicht funktioniert.
2. Das System funktioniert NICHT und es ist NICHT bekannt warum.
3. Das System funktioniert und es ist bekannt warum.
4. Das System funktioniert und es ist NICHT bekannt warum.

Das besondere an Soulmans Gesetzt ist, das diese Tabelle auch gleichzeitig eine Wertung enthält. D.h. der 1. Zustand ist der Beste, der 4. Zustand ist der schlechste.

Es fällt auf, das dies einer trivialen Betrachtung widerspricht, die zu postulieren scheint, es sei grundsätzlich am Besten, ein System würde wie gewünscht funktionieren.

Dies liegt im Wesentlichen in drei Umständen begründet.
A. Das Nichtfunktionieren eines Systems ist besser als das Funktionieren, weil der Umstand des Nichtfunktionierens Problembewusstsein schafft, während einwandfreie Funktion eventuell trügerische Sicherheit und Nachlässigkeit erzeugt.

B. Es ist trivial, das die Kenntnis einer Ursache besser ist als deren Nichtkenntnis. Die Ursache zu kennen ergibt im Falle des Nichtfunktionierens automatisch eine Handlungsanweisung: Nämlich die Ursache zu beseitigen. Auch im Falle das ein System funktioniert ist Ursachenkenntnis gut, weil sie gleichbedeutend mit Systemkenntnis ist, also z.b. bei späteren Schäden Verbesserungsansätze liefert.

C. In den meisten Systemen ist Nichtfunktion der stabilere Zustand, der mit geringem Aufwand hergestellt werden kann. Es bietet daher mehr Planungssicherheit, sein Handeln von diesem Zustand leiten zu lassen, die man mehr Vertrauen in die Stabilität dieses Zustandes haben kann.

Die scheinbare Paradoxie im Vergleich mit der Alltagseinschätzung entsteht durch die Ausblendung des Sinns des Systems, das Trivial immer ist, seinem Zweck zu dienen, womit ein Nichtfunktionierendes System per se schlecht ist.

So bezieht sich Soulmans Gesetz immer nur auf eine momentane Zustandsbeschreibung
eines unsicheren Systems. Dennoch ist Soulmans Gesetz in vielen Bereichen der Technik und darüber hinaus verblüffend treffsicher anwendbar:

Z.B. auf ein Auto angewendet bedeutet Soulmans Gesetz dieses:

Angenommen ich muss dringend zu einer bestimmten Zeit zu einem bestimmten Ort gelangen. Ich habe ein Auto, das ich verwenden könnte. Es ergeben sich folgende Möglichkeiten:

1. Das Auto fährt nicht, ich weiss auch warum: der Tank ist leer.
Folge: Ich weiß sofort, ich kann das Auto nicht verwenden, ich fahre mit dem Bus, außerdem muss ich Benzin in einem Reservekanister mitbringen.

Alle Unsicherheiten sind beseitigt, mein Handeln lässt sich klar planen.

2. Das Auto fährt nicht, ich weiß nicht warum
Folge: Ich weiß sofort, ich kann das Auto nicht verwenden, ich fahre mit dem Bus, außerdem muss ich mich später mal mit dem Auto befassen, nachsehen warum es nicht geht, es in die Werkstatt bringen z.b. Alle Unsicherheiten bezüglich meines eigentlichen Handelns sind beseitigt, mein Handeln lässt sich klar planen. Es bestehen nur Unsicherheiten bezüglich der zukünftigen Verwendbarkeit des Systems Auto.

3. Das Auto fährt, weil ich nämlich getankt habe.
Ich kann das Auto verwenden. Gleichwohl ist damit nicht sicher, das mein Auto auch durchhält, es könnte ein Verdeckter anderer Fehler vorliegen, ich könnte einen Unfall bauen...

Eventuell entschließe ich mich doch mit dem Bus zu fahrten, denn falls der defekt sein sollte, so wird bestimmt ein Ersatzbus geschickt.

Folge: Es ergibt sich keine klare Handlungsanweisung für mich, mein Planen ist mit Unsicherheitsfaktoren behaftet, ich muss Entscheidungen treffen, die falsch sein könnten.


4. Das Auto fährt.
Ich könnte das Auto verwenden, weiß aber im Grunde noch nicht mal, ob überhaupt noch genug Benzin drin ist, um an die nächste Ecke zu kommen. Von Dingen wie verdeckten Fehler oder Unfällen ganz zu schweigen.

Folge: Es ergibt sich keine klare Handlungsanweisung für mich, mein Planen ist mit grossen Unsicherheitsfaktoren behaftet, ich muss Entscheidungen treffen, die falsch sein könnten.

Schlimmer noch, da ich nicht weiß warum das Auto fährt, es also nicht verstehe, könnte ich nicht einmal Warnzeichen eines baldigen Versagens richtig deuten.

Es zeigt sich bei dieser Betrachtung, das Soulmans Gesetz trotz seiner scheinbar widersinnigen Folgerung auch in praktischen Betrachtungen zutreffend ist.

Soulmans Gesetz lässt sich grundsätzlich zu Situationsbeurteilung komplexer Systeme heranziehen, seien es Kernkraftwerke, Computerprogramme oder die Eigenschaften von Produkten der Chemischen Industrie. Soulmans Gesetz lässt sich mit Einschränkungen auch auf Metaebene anwenden, als z.b. die Idee den Energiebedarf der Menschheit mittels Kernenergie zu decken als solche. Diese Idee schien ja zunächst zu funktionieren und hat erst im Laufe der Zeit ihre versteckten Fehler gezeigt. Zumindest z.b. von Standpunkt der Atomkraftgegner wäre es deutlich besser gewesen, Kernenergie hätte nicht funktioniert.



Anmerkung: Gelegentlich wird Soulmans Gesetz abgewandelt zitiert und zwar in dem Position 2 und 3 vertauscht werden.