Spermabenz

Es ist Ende März 2001 . Es schneit. Seit 6 Stunden oder so. Gestern sah ich einen 190er Mercedes, der nach einem Unfall ein bisschen wie die A-Klasse aussah. Da fällt mir ein, das in den USA der 190er „Babybenz“ genannt wurde. Die A-Klasse nennen die da vermutlich „Embryobenz“. Und wenn die wüssten, das es so was wie den Smart gibt, würden die das Ding dann „Spermabenz“ nennen?

Genug ist genug, bei Tomatensafterklärungsversuchen genau wie bei Textmarkern

Sitze im Flugzeug, auf dem Rückflug nach Berlin. Neben mir, getrennt durch den Gang, ein Mann der sich Unterlagen zum Durchlesen mitgenommen hat. Er gehört zu diesen Leuten, die beim Lesen wichtige Stellen mit Textmarkern hervorheben. Das habe ich noch nie verstanden, denn meistens ist es anscheinend nicht so, dass diese Leute den Text mit den Markierungen später weiterreichen, einen nachfolgenden Leser also das Finden des Wichtigsten im Text erleichtern wollen, nein, vielmehr wird der Text offenbar in Regel später irgendwo hingelegt und dann noch später weggeworfen. Also letztlich genau das Verhalten das ich auch mit den meisten Werbebriefen, Infounterlagen und Rundschreiben an den Tag lege, nur das ich nicht vorher noch Teile des Gelabers anmale.

Der Typ neben mir, dreiteilig gekleidet, das Jackett hat er aber abgelegt, (man ist ja nicht mehr beim Kunden und kann daher auch mal leger auftreten), ist jünger als ich und auch wieder älter: Doppelkinn, das allerdings irgendwie wie Babyspeck aussieht, schütterer Haarkranz und irgendein Siegelring am Finger. Na gut, fürs Haar kann er nix, aber der Ring gehört verboten.
Er fräst sich mit dem gelben Textmarker durch den etwa 3-4 seitigen Text, der wie üblich extrem unpraktisch oben links zusammen getackert ist. Als er am Ende der ersten Seite angekommen ist, sehe ich, dass praktisch der gesamte Text markiert ist. Bevor er umblättert, kann ich gerade noch erkennen, das die unmarkierten Worte nur Füll- und Bindewörter sind, wie etwa „und“, „dass“ oder „also“.
Außerdem hat er ganz akkurat die Satzzeichen nicht markiert, jedes Komma im Inneren eines Satzes ausgespart.

Als die Stewardess kommt, verlangt er einen Tomatensaft. Dazu werde ich mich mal nicht äußern, denn über das Phänomen, das in Flugzeugen Menschen häufig dazu neigen Tomatensaft zu trinken, während im sonstigen Leben dieses Getränk praktisch kein Rolle spielt, haben sich schon genug Autoren ausgelassen.

Bravo


Hi, zu deinem Mail:

>Also ich find´s lustich Winking

Ist auch lustig. Noch lustiger ist, das Planetcom schlicht gepennt hat und nun, anstatt sich selber an den Kopf zu fassen, anfängt Gegenpositionen aufzubauen. So nach dem Motto: Die Tiergarten-Demo Leute handeln juristisch zweifelhaft.
Das Vorgehen der "Der Tiergarten gehört allen Berlinern"-Anmeldern reizt das Demonstrationsrecht sicherlich sehr aus... nur Angefangen mit Demorecht -Ausreizen hat ja wohl eher Planetcom.

Ansich ist die Sache Ambivalent: Scheisse ist, wenn eine piefige Spiessbürger-"Der Tiergarten gehört allen Berlinern"-Blockwart-Versammlung ein Jugendbewegung unter Ausnutzung von rechtlichen Winkelzügen ausbremst, prima ist aber, wenn findige Naturschützer mit juristischen Tricks eine üble Kommerz-Massenveranstalltung kippen, an der sich eh nur 6 Mann eine goldene Nase verdienen.

Katastrohal ist, wenn es keine Lösung gibt und die Bravo-Girlies zu UNS kommen.

Soulman (XOL DOG 400)
+++XOL DOG 400: Electronically produced noises and bleeps and the like+++

Loop starts here

Neulich Berlins erste Pink Slip Party. Das ist hier so neu, das man erstmal erklären muss: Nein Pink Slips sind nicht rosa Damenunterhöschen, sondern der in Amerika übliche Ausdruck für Entlassungspapiere, herrührend von der Farbe des Umschlages, in denen sie dort versendet werden. Und diese Partys finden im Silicon Valley statt, wo die Entlassen der dortigen New Economy Firmen noch mal Party machen. New Economy hatten wir auch, Entlassungen haben wir auch, dachte sich wohl der Boss einer der noch überlebenden Internetbuden, machen wir doch mal so eine Party. Im Radio Interview, das ich zufällig mitbekomme, redet der Chef dieser Bude (in der New Economy natürlich der Vorstand einer AG) in Hilfsdeutsch über die Party, die Situation sei nämlich „ähnlich schlimm als wie in den USA.“

Ich beschließe das zu vergessen, gehe dann aber doch hin, weil mir eingefallen ist, dass ich an einer gerade recht klammen Internetbude beteiligt bin und daher schon irgendwie betroffen. Wir fahren also zu viert zu dem Event, zu dem sich laut dem bewussten Vorstand „mehr wie 650“ Leute angemeldet haben sollen.

Wir kommen an und was als erstes draußen auffällt: Lauter Kamerateams, die das große Schild „Pink Slip Party“ filmen. Zich Autos draußen, die noch von der glorreichen Vergangenheit Zeugen: 5er BMWs, auch ein paar 7er, so mancher Mercedes 200irgendwas und auch die Avantgarde ist da:
2x Citroen XM, sogar ein alter Citroen SM (der mit dem Maserati Motor) und ein altes Benz Cabriolet aus den 60ern. Das wird natürlich auch gefilmt und geknipst. Drinnen ist es in der eigentlichen Tanzhalle leer, der erste Bekannte den ich treffe ist ein Journalist. Alle Leute sind in einem Nebenraum, dort tummeln sich ungefähr 350 Leute, wovon etwa die Hälfte erkennbar gar keine „Pinksliper“ sind, sondern Presse. Mehr Kamerateams auf einem Haufen habe ich noch nie gesehen, ständig hüpft einem ein Fotograph vor die Linse und ich habe meine liebe Mühe NICHT abgelichtet zu werden.
Die anderen drei mit denen ich gekommen bin sind irgendwie etwas ungeschickter und müssen daher ein paar Interviews vor Kameras über sich ergehen lassen.
Die Presse ist aber insgesamt etwas gefrustet, weil sie auch merken, das mehr Leute im Raum Kollegen sind als entlassen New-Economy Opfer.
Völlig entnervt knipsen die Fotographen alles was aus Materie besteht, und als sich irgendwann zwei auffällig gekleidete Mädels auf die Tanzfläche wagen, ganz allein, da scharren sich auch gleich 3-4 Fotographen um die beiden und machen mal einen Film voll.

Die Leute mit denen ich rede, die tatsächlich Entlassene sind, machen auf mich überwiegend den Eindruck, als läge in Ihrer Entlassung kein Irrtum vor. Ist aber eventuell nur die Arroganz des Nichtarbeitslosen.

Am nächsten Morgen berichtet man mir, man habe mich im Fernsehen erkannt, irgendwann sei mal im Anschnitt meine Camoweste zu sehen gewesen.
Ich sollte langsam aufhören, diese Westen zu tragen.

Angebot schafft Bedarf

In der Strasse in der meine Freundin wohnt, darf man jetzt quer parken. Dadurch hat sich die Anzahl der verfügbaren Parkplätze ca. verdreifacht.
Nach dem Aufmalen der entsprechenden Straßenmarkierungen konnte man vier Tage lang ganz gut einen Parkplatz bekommen.
Jetzt, etwa eine Woche nach der Maßnahme, sind Parkplätze Mangelware, als sei es nie anders geparkt worden in dieser Strasse.