Boilerroom

Zoll Stock 4 Meter spielt im Boilerroom. Ich weiss, dass der Boilerroom einen gemischten Ruf hat, jedoch: Die machen was, man kann hingehen und muss keinen Eintritt zahlen. Das ist erstmal als Anfang nicht übel. Also dachte ich: Ich geh mal hin.

Boileroom ist ein durchaus seltsames Format. Die Acts stehen mitten auf der Tanzfläche, das Ganze wird gefilmt und auf Facebook und YouTube gestreamed, die Reichweite ist dadurch recht gross, kann sein, dass einige 100.000 Leute zusehen.

DJ Pult mitten auf der Tanzfläche und dann auch noch in Kniehöhe ist optisch schön und gut zu filmen. Die Besucher der Party stehen direkt um einen herum, 2-3 Leute direkt hinter einem. Sieht bestimmt cool aus im Stream, ist aber faktisch natürlich nicht gut, man kann gar nicht richtig agieren, z.b. nichts am Rechner machen weil man den Platz nicht hat und in die Knie gehen müsste.
Muss man also in weiten Bereichen den Fallback-Mix laufen lassen.

Prompt haben sich Leute in den Kommentaren bei Facebook und YouTube beschwert, der Typ da würde ja gar nichts machen, sondern nur eine Playlist abspielen, null DJ-Skilz und so weiter. (Zoll Stock 4 Meter ist nie ein DJ gewesen, weiss das Boileroompublikum natürlich nicht, alles was da in der Nähe eines Mixers steht und Musik macht ist "ein DJ".)

Überhaupt sind die Viewercomments auf speziell auf Facebook echt schräg, viele Argumentieren exakt so spießig wie ihre eigenen
Großeltern: "Das ist doch keine Musik, hängt die CD? Presslufthammer aufgenommen und dann nur auf Play gedrückt hier? Der Typ ist krank / senil / Alzheimer / irre / was ist das denn für eine Scheisse! Blablabla."
Da kann ich von meiner 78jährigen Mutter weit bessere Kommentare erwarten.

Soweit die heutige Jugend.

Vor Ort waren die Leute viel besser drauf und obwohl einige gegen Ende des Gigs erkennbar überfordert waren, sind alle am Ball geblieben. Oft habe ich auch sowas wie ungläubiges Staunen gesehen, weil Zoll Stock ja nun inzwischen auch ein erkennbar alter Sack ist, aus Sicht mancher Besucher im selben Alter wie die Eltern oder gar Grosseltern.

Kommentar einer weiblichen Facebooknutzerin die den Stream verfolgte: "He is a FILF."

LOL.


Kurzum: Ein echt seltsames Format, aber zumindest vor Ort lustig.




DB mal anders (nein, nicht besser...)

Neuer Twist bei der Deutschen Bahn:

Die Züge fahren jetzt nicht mehr zu spät ab, sondern zu früh.

Der IC1915 von Berlin nach Köln, Abfahrt laut DB Webseite
und Zugticket am Sonntag ab Berlin Spandau um 12:16 Uhr, fährt in Wirklichkeit aber um 12:05 ab.

Und zwar wegen einer Baustelle mit Langsamfahrt im späteren Streckenverlauf ... die dadurch entstehende Verspätung will man kompensieren, indem der Zug eben früher losfährt. Das ist ja an sich gut gedacht.
Jetzt müssten das nur noch die Fahrgäste wissen,
dann würde es auch helfen.

Weil wir rein zufällig etwas zu früh am Bahnhof sind, erreichen wir den Zug trotzdem noch. Viele Andere haben weniger Glück. Zwei Jungs z.B. kommen um 12:05 an und schaffen es noch bis zur Tür des Zuges. Die ist aber schon zu und verriegelt, sie rütteln noch ein wenig und sehen dann ihren Zug abfahren. 30 Sekunden zu spät, eine Fahrkarte in der Hand haltend, auf der steht, daß sie noch 11 Minuten Zeit haben.

Das richtig Spannende ist: Der ausgehängte gedruckte Plan der Wagenreihung zeigt die Abfahrtzeit 12:05.
Die Bahn schafft es also, Drucksachen aktueller zu halten als ihre eigene Webseite oder online gebuchte Fahrkarten.

Das ist ja auch mal eine Leistung.